1. HIV-Positive haben unter Therapie eine normale Lebenserwartung

Seit der Entdeckung des HI-Virus in den 1980er Jahren hat sich viel getan. Während die Erkrankung damals ein Todesurteil war, haben moderne HIV-Medikamente dafür gesorgt, dass Infizierte heute eine praktisch normale Lebenserwartung haben.

2. HIV-Positive unter Therapie können einen Zustand erreichen, in dem sie selbst bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht ansteckend sind

Unter der HIV-Therapie ist die Vermehrung der Viren im Körper so stark gebremst, dass sie in Blut und anderen Körperflüssigkeiten oftmals gar nicht mehr nachweisbar sind. Einige Experten sind sich deshalb schon seit Jahren sicher, dass HIV-Positive, die ihre Medikamente gewissenhaft einnehmen und regelmäßig ihre Blutwerte kontrollieren lassen (konkret die Zahl der HI-Viren in ihrem Blut), sogar ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihren gesunden Partnern haben können, ohne sie anzustecken. Partnerstudien belegen diese Annahme bereits.

Selbstverständlich sollte das nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und nach Abwägung der Risiken so praktiziert werden. Der sicherste Schutz bleibt das Kondom.

Diese Information soll Ihnen aber zeigen, dass von HIV-Positiven, die von ihrer Erkrankung wissen und Medikamente dagegen einnehmen, selbst in den extremsten Situationen keine Ansteckungsgefahr ausgeht.

HIV-Medikamente können außerdem eine Übertragung des Virus von einer Mutter auf ihr Kind verhindern. Mit HIV ist eine normale Familienplanung heutzutage also möglich.

3. Berühungsängste vor HIV-Positiven sind unnötig

Wie eben erklärt, sind HIV-Positive, die von ihrer Erkrankung wissen und ihre Medikamente einnehmen, selbst bei intimstem Kontakt nicht mehr ansteckend. Es gibt überhaupt keinen Grund, HIV-Positive in Alltagssituationen anders als andere Menschen zu behandeln. Sie können mit HIV-Positiven aus einem Glas trinken, mit ihnen kochen, ihre Hände schütteln, mit ihnen in einem Bett schlafen, sie umarmen, sie küssen oder sie Ihr Baby halten lassen, ohne Angst vor einer Ansteckung haben zu müssen.

All diese Situationen sind selbst dann ungefährlich, wenn eine Person noch nichts von ihrer Infektion weiß und die Zahl der Viren im Körper noch nicht durch Medikamente reduziert ist. Sollten Sie etwa erfahren, dass jemand, den sie mal geküsst haben, HIV-positiv ist, müssen Sie sich überhaupt keine Sorgen machen.

Nur wenn Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Vaginalsekret eine Eintrittspforte in den Körper finden (z. B. durch kleine Schleimhautläsionen bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr, bei der Geburt oder durch Injektionsstiche bei geteilten Nadeln), ist eine Ansteckung möglich.

4. Die Stigmatisierung von HIV-Positiven ist noch immer ein gewaltiges Problem

Während sich die Therapie von HIV in den letzten Jahrzehnten revolutioniert hat, leiden Betroffene in Deutschland heute vor allem unter den sozialen Aspekten ihrer Krankheit. Dazu möchte ich kurz von einer persönlichen Erfahrung erzählen: vor zwei Jahren habe ich einen Artikel über die Stigmatisierung von HIV-Positiven veröffentlicht. In den Kommentaren behauptete ein User, HIV könne nur bei „sadomasochistischen Praktiken“ zwischen Homosexuellen übertragen werden. Ein anderer User forderte, HIV-Positiven das Wahlrecht und den Führerschein zu entziehen, weil sie gezeigt hätten, dass sie mit ihrer Mündigkeit nicht verantwortungsvoll umgehen können.

Tatsächlich werden HIV-Positive im Alltag massiv diskriminiert (Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3). Besonders im Gesundheitswesen, obwohl es gerade medizinisches Personal besser wissen sollte.

5.„Selbst schuld“ ist kein gutes Argument

Wenn Sie jetzt denken, dass Sie Menschen, die Vorurteile gegenüber HIV-Positiven haben, schon ein bisschen verstehen können, weil die Positiven sich ja „selbst schuld“ sind – etwa weil sie sich durch ungeschützten Sex oder Drogenkonsum angesteckt haben – möchte ich Ihnen Folgendes sagen: fast alle Kranke sind zu einem Teil selbst „schuld“ an ihrer Krankheit. Die Haupttodesursachen in Deutschland sind Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs und Lungenerkrankungen. Rauchen, Übergewicht, wenig körperliche Aktivität, Alkohol und schlechte Ernährung sind Risikofaktoren für diese Erkrankungen – also all die Dinge, die Spaß machen und auf die so viele von uns nicht verzichten wollen. Ist es „schlimmer“, ungeschützten Sex zu haben, als zu rauchen oder einen gefährlichen Leistungssport zu betreiben?

Die allermeisten von uns schaden sich zu einem gewissen Grad selbst. Menschen, die ein ausgeprägtes selbstschädigendes Verhalten zeigen, leiden in der Regel unter psychischen Erkrankungen und sind in ihrer Entscheidungs- und Handlungsfreiheit eingeschränkt. Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der wir Menschen ausgrenzen, die sich selbstschädigend verhalten, anstatt ihnen zu helfen?

Dann stünden die meisten von uns alleine da. Und wir müssten einen großen Teil der Kranken in Deutschland stigmatisieren

6. Ein HIV-Test lohnt sich

In Deutschland leben etwa 86.000 Menschen mit HIV. Rund 53.000 der Infizierten sind Männer, die Sex mit Männern haben, etwa 11.000 sind Heterosexuelle und etwa 8.000 intravenöse Drogengebraucher. Im Jahr 2017 haben sich etwa 2.700 Menschen in Deutschland mit HIV infiziert. Deutschland gehört damit zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Doch geschätzte 12.000 HIV-Positive in Deutschland wissen nicht, dass sie infiziert sind – zum Nachteil für sie und andere. Heute ist bekannt, dass die antivirale HIV-Therapie am besten wirkt, wenn sie so früh wie möglich begonnen wird. Dann kann eine normale Lebenserwartung erreicht werden. Außerdem kann die Ansteckung weiterer Personen verhindert werden, wenn Infizierte von ihrer Infektion wissen und sich behandeln lassen.

Gesundheitsämter bieten anonyme und kostenlose HIV-Tests an. In verschiedenen Großstädten bieten die AIDS-Hilfen sogar einen anonymen Schnelltest an, mit dem eine mindestens sechs Wochen zurückliegende HIV-Infektion innerhalb einer halben Stunde mit einer großen Sicherheit ausgeschlossen werden kann.

In Deutschland dürfen HIV-Positive bis auf sehr wenige Ausnahmen alle beruflichen Tätigkeiten ausüben und sind bis auf wenige Ausnahmen nicht verpflichtet, ihre Arbeitgeber über die Infektion zu informieren. Wer in Deutschland mit HIV diagnostiziert wird, erhält eine Therapie, hat eine normale Lebenserwartung, kann in einer normalen Partnerschaft leben, kann Familie gründen und jeden Beruf ausüben. Früh von einer Infektion zu wissen, bringt nur gesundheitliche Vorteile für einen selbst und andere.

7. HIV-Positive in anderen Ländern haben nicht so viel Glück wie die in Deutschland

So positiv all die genannten Entwicklungen sind, so wichtig ist es, darauf hinzuweisen, dass viele HIV-Positive weltweit keinen Zugang zu Medikamenten haben. Oder die Wichtigkeit und Wirkung der Medikamente aufgrund mangelnder Bildung oder ihres Glaubens unterschätzen und die Medikamente nicht einnehmen. Im Jahr 2017 haben laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation nur 59% der weltweit etwa 40 Millionen infizierten eine Therapie erhalten. Unbehandelt führt die Infektion zu einer massiven Immunschwäche. Die Infizierten entwickeln Krankheiten, die ein gesunder Körper normalerweise abwehren könnte – dann spricht man vom Vollbild AIDS. Die Erkrankung führt unbehandelt zum Tod.

8. Impfung und Heilung sind im Moment noch nicht in Sicht

Trotz der positiven medizinischen Entwicklungen seit der Entdeckung des HI-Virus ist eine langfristige Heilung im Moment nicht in Sicht. Die modernen HIV-Medikamente können lediglich die Vermehrung des Virus im Körper stoppen, es aber leider nicht ganz aus dem Körper entfernen. Das Virus kann in Körperzellen schlummern und wird dort nicht von den Medikamenten angegriffen. Auch eine Impfung gegen HIV ist sehr schwer zu entwickeln. Unter anderem, weil das Virus sich ständig sehr stark verändert. Es fehlt sozusagen eine „Konstante“ an dem Virus, gegen die das Immunsystem trainiert werden könnte. Der beste Schutz vor HIV bleibt also das Kondom.

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