Es ist laut in Deutschland. Wortgerangel übertönt Taten und Inhalte. Chemnitz und Maaßen haben gezeigt, woran es derzeit mangelt und was hingegen im Überfluss vorhanden ist in der hiesigen politischen und kulturellen Landschaft: Hier tobt ein semantischer Streit über Hetze und Hetzjagd. Dort rügt eine Bundesfamilienministerin wegen einer angeblichen Verrohung der Sprache Parteifreunde und Gegner. Dann platzt einer Literaturnobelpreisträgerin der Kragen wegen des Begriffs „Lügenpresse“. Und schlussendlich sagt der niedersächsische Innenminister, gewisse Begriffe – oder Gefasel, in seinen Worten – hätten es nun bis in die Mitte der Gesellschaft geschafft, obwohl sie viele Jahre verpönt gewesen seien. Und das dürfe man nicht dulden. Mich stört hier zweierlei: einerseits, dass zuviel Wind um einzelne Wörter oder Phrasen gemacht wird und andererseits, dass man denkt, dem Ganzen mit Vertreibung und Verboten beikommen zu müssen – und zu können.

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„Marisa, wie konntest du, wo du doch ähnlich sozialisiert bist wie ich, nur so werden?“ fragte mich neulich ein alter Bekannter. Wir sind auf dieselbe Schule gegangen, haben gemeinsame Freunde. Er ist Metal-Fan und trägt seine Haare auch mit Anfang 30 noch lang. Ich mag das. Er hat Sprachen studiert und arbeitet heute als Flüchtlingshelfer. Und ich, ich kritisiere die deutsche Flüchtlingspolitik. Zu allem Überfluss bin ich auch noch islamkritisch.

Wie konnten wir uns, trotz unseres ähnlichen Hintergrunds, nur so unterschiedlich entwickeln?
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