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Probleme des Gottesbegriffs

Welche basalen Probleme beinhaltet die Vorstellung eines Gottes?

Probleme Gottesbegriff

1. Intoleranz des Totalitäts- und Alleinanspruches auf „Wahrheit“ / mosaische Unterscheidung

„Wir vertreten die einzig wahre Religion, die einzig richtige Art zu leben“. Das ist darin begründet, dass man die Quelle der „offenbarten“ Religion in einer real existierenden Gottheit sieht, die allwissend, allmächtig, allgütig und gerecht und somit unfehlbar und immun gegen jegliche Kritik ist. Dies führt unausweichlich zur Abwertung von Menschen, die diesem Glauben so nicht folgen können oder wollen. “Ungläubige” sind das “Böse”.

2. Verschriftlichung und damit Zementierung und Stillstand

Seit spirituelle Geschichten („stories“, Yuval Noah Harari [Sapiens“]), die unser individuelles und kollektives Handeln formen und die leicht wechselbar sind, verschriftlicht, monotheistisch festgelegt und kanonisiert wurden, steht ihr Inhalt unveränderlich fest – von einigen Verfälschungen und Neugründungen von Religionen (Christentum, Islam, Bahá’í, Sekten…) abgesehen. Lediglich Mehrdeutigkeit, Symbolik, Kultur- und Zeitrelativismus und Umdeutungen bieten einen begrenzten Spielraum von Anpassungen an die ethisch-kulturelle Weiterentwicklung der Menschen und Korrektur von Irrtümern.

3. Wortwörtlichkeit, Real- und Historizitätsanspruch als missgedeutete symbolische Sinnbildhaftigkeit

Die Gefahr von Symbolen, Metaphern, Allegorien ist, dass ihre Sinnbildhaftigkeit nicht verstanden und sie wörtlich genommen werden. Bei ausdrücklichen Märchengeschichten ist den meisten Erwachsenen klar, dass es sich um fiktive Geschichten handelt, die nur eine Moral der Geschicht‘ verdeutlichen sollen, die aber nicht historische Geschehnisse darstellen – allenfalls vielleicht einen historischen Kern haben. Die religiösen Narrative drücken jedoch Glaubensgebote aus, die einen Wahrheitsanspruch darstellen. Gott symbolisiert nicht nur eine Vielzahl menschlich-psychologisch-spiritueller Phänomene, sondern er wird als real existierende Wesenheit angenommen, die extern vom Menschen in einer alternativen Realitätsebene existiere.

4. Gußeiserne Gewissheit / Unfähigkeit zum Zweifeln

Nicht nur der Alleinspruch, die Wahrheit zu besitzen, sondern auch die Gewissheit, sie jetzt und für immer gefunden zu haben (selbst wenn man alternative Wahrheiten respektiert und für andere zulässt) stellt eine Gefahr dar. Wer nicht an seinem Glauben und Weg zweifeln kann, ist unfähig, Irrtümer zu revidieren, Fehler in seinem Glauben zu erkennen bzw. Kritik anzunehmen, die einige Grundwahrheiten des Weltbildes in Frage stellen. Er befindet sich einem geschlossenen System der Selbstbestätigung und Dissonanzabwehr.

5. Funktionalistisch reduziertes und entwertetes Menschenbild gegenüber einem Gotteswesen

Je nach Gottesbild (das man ja auch laut einiger religiöser Gebote gar nicht haben darf) wird der Mensch und die Welt zu einem Objekt, zu einem Mittel zum Zweck reduziert und entwertet. Nicht die Würde des erlebenden erleidenden Subjekts ist dann der Grundwert und Selbstwert des Menschen, sondern seine Funktion für Gott, sein Dienen als sklavisch unterworfene Zweckmäßigkeit ohne Anspruch auf Schutz seines Selbstwertes. Dieser externe Sinn des Daseins stellt zwar einen gewissen Schutz als Geschöpf und Eigentum Gottes dar (auch in der Ebenbildlichkeit dargestellt), der aber sogleich wieder zerstört wird, wenn sich das Subjekt der Unterwerfung entziehen will, da diese von weltlichen Mächten missbraucht werden (“Du musst das so akzeptieren und darfst es nicht kritisieren, Gott will es so!”). Wer nicht funktioniert, ist dem Höllenfeuer geweiht. Außerdem verringert das endzeitliche Bild einer der Apokalypse und Gott unterworfenen Welt die Bereitschaft, diese aktiv zu “retten”, und die Vorstellung einer jenseitigen Welt reduziert den Wert eines Menschenlebens, da es ja ohnehin im Jenseits „gerettet“ ist.

6. Inhaltsleere einer absoluten Transzendenz

Wenn man sich durch Kritik an der bisherigen Fehlauslegung und Fehlentwicklung der Religionen darauf beruft, dass Gott ein missverstandenes Symbol zu einer unfassbaren ungreifbaren “Transzendenz” sei, die unser begrenzter Geist gar nicht erfassen kann (was im islamischen “Gott ist größer” bereits ausgedrückt ist), dann macht das ebenso gegen Kritik immun (“Du kannst das gar nicht kritisieren, weil dein Geist zu klein ist!”, “Du bist blind!”) als dass es jeglicher Erklärung entbehrt, worauf sich diese “Erkenntnis” und Behauptung denn begründet. Wenn Gott nicht erfassbar und verstehbar ist und konkrete Eigenschaften zugeschrieben bekommen kann, dann gibt es keine Möglichkeit, zwischen einem wirklichen Gott und einem eingebildeten Gott, den man einem “gottlosen” Universum überstülpt, zu unterscheiden. Außerdem birgt das ein Grundproblem: Was will man konkret für Schlussfolgerungen und Handlungsanweisungen für sein Leben ziehen, wenn nichts von diesem Gott wirklich greifbar ist?

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