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Die Seele als immaterielle Entität ist widerlegt

Aus Sicht der Naturwissenschaften und vor allem der Neurobiologie kann es eigentlich keinen Zweifel mehr daran geben, dass psychische Prozesse, genauso wie Prozesse der Wahrnehmung, der Kognition und der Motorik aufs Engste mit der Aktivität von Nervenzellen in unterschiedlichen Regionen des Gehirns verbunden sind. Ein Geist, wie er in den monotheistischen Religionen vorausgesetzt wird, widerspricht jeglichen physikalischen Prinzipien und ist ausgemachter Anthropozentrismus. Die Seele sitzt natürlicherweise im Gehirn und ist Resultat dessen.

Die menschliche Seele ist Produkt eines langen evolutionären Prozesses. Zwischen anderen Tieren besteht nur ein gradueller Unterscheid. Auch sie besitzen eine Seele, viele haben ein Bewusstsein und bewusste Gefühle, manche besitzen sogar ein Selbstbewusstsein.
Zwar gibt es keinen eng umgrenzten Ort im Gehirn, von dem man sagen könnte, dass er alleiniger Sitz der Seele (=Psyche) sei, aber das Zusammenwirken vieler Komponenten des limbischen Systems mit der Hirnrinde konstituiert die Psyche. Das Geistige, bzw. Mental-Psychische ist somit keine eigenständige, immaterielle Wesenheit. Es „sitzt“ im limbischen System und beinhaltet sowohl unbewusste als auch bewusste Gefühle (Emotionen).

Verletzungen am Gehirn, also (dem Sitz) der Seele, bedingen meistens auch Konsequenzen im Verhalten, also eine Verhaltensänderung bzw. eine Persönlichkeitsänderung. Schon der französische Arzt Paul Brock (1824-1880) hat herausgefunden, dass eine charakteristische Störung des Sprachvermögens (heute Broca-Aphasie genannt) eindeutig auf eine Verletzung in einem bestimmten Bereich des linken Frontallapens zurückzuführen war.
Kurz darauf fingen die sogenannten Lokalisten an, weitere mentale Funktionen im Gehirn zu verorten: die räumliche Orientierung im rechten Scheitllappen oder die Verhaltensplanung und Impulskontrolle im Stirnhirn (usw.).

Bezüglich der Erforschung von Emotionen und „dem Psychischen“ an sich hat Antonio R. Damasio bahnbrechende Forschungen betrieben. Dieser hat sich vor allem auf die Auswirkungen, die eine Verletzung des unteren Stirnhirns auf die Impulskontrolle und das „moralische“ Verhalten hatte, spezialisiert. So kann heutzutage über eine funktionelle Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) herausgefunden werden, ob jemand die Veranlagung dazu hat, gewalttätig zu sein.

Der berühmte Fall von Phineas P. Gage zeigt, dass die Psyche sich verändert, wenn sich Gehirnstrukturen ändern oder zerstört werden. Bei einem schweren Unfall schoss eine Eisenstange von unten nach oben durch seinen Schädel und lädierte den orbitofrontalen und präfrontalen Kortex. Er überlebte den Unfall, war danach aber wie ausgewechselt. Aus dem besonnenen, freundlichen und ausgeglichenen Gage wurde ein kindischer, impulsiver und unzuverlässiger Mensch. Dieses Krankheitsbild ist heutzutage in der Neurologie als Frontalhirnsyndrom bekannt.

Es deutet alles darauf hin, dass die Seele als immaterielle Entität nicht existiert sondern materiell im Gehirn verankert ist. Folglich kann nichts nach unserem Tod in den Himmel aufsteigen. Mit dem Tod unseres Gehirns und dessen Funktionen stirbt auch unser Ich, unsere Psyche, das, was Theisten „Seele“ nennen.

3 Antworten
  1. roland christen
    roland christen says:

    Das Thema ist spannend: selbst Wissenschaftler des CERN sehen in der Konstruktion der Materie Einflüsse einer einzigartigen Intelligenz. Auch der Aufbau der DNA, einem Computercode ähnlich, zeugt von einer faszinierenden Ingenieursleistung.
    Ich habe in meinem Buch „Chaos oder Glück?“ das Thema „Lbenskraft“ genannt.

    http://www.schieflage.ch/epaper/#79

    Viele Grüsse

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  1. […] die Erkenntnisse der Neurowissenschaften und der Psychologie wissen wir: Das Gehirn macht die Seele. Psychische Prozesse, genauso wie Prozesse der Wahrnehmung, der Kognition und der Motorik sind aufs […]

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